Am Denkmaltag offene Villen in Suhl

bahnhofstrae_20_sauer_villa_smallUnter dem Titel „Macht und Pracht – Suhler Villen erzählen“ bereitete die Stadtverwaltung zum „Tag des offenen Denkmals“ am 10. September 2017 in Suhl ein besonderes Programm vor. An jenem Sonntag wurden von 14 - 18 Uhr besondere historische Suhler Villen vorgestellt. Zuvor gab es schon am Freitagabend, 8. September, einen von ca. 300 Teilnehmern besuchten Spaziergang durch Suhler Villenviertel.

Durch die Stadtverwaltung konnte eine Reihe von Eigentümern gewonnen werden, die bereit sind, ihre prachtvollen Villen zu öffnen. Den privaten Eigentümern ist herzlich dafür zu danken. So konnten am Sonntag im Stadtzentrum die Villen bedeutender Suhler Bürger wie Sauer, Schlegelmilch, Rotschky, Kober, Krämer, Sander und Völker besichtigt werden.

Sauer-Villa Bahnhofstraße 20

Präsentation: Herr Peter Arfmann, Herr Frank Seidel
bahnhofstrae_20_sauer_villa_smallDer Gewehrfabrikant Franz Sauer ließ sich 1904 durch die Suhler Baufirma Gebr. Hopf eine imposante Villa in der Bahnhofstraße 20, in der Nähe seiner Fabrik in der Aue, errichten. Er wurde im Stil italienischer Villen gestaltet, mit flachen ausladenden Dächern, Standerker, Eckturm und mit reich gestalteten Fassaden. Nach Privatisierung 2000 wurden denkmalgerecht Dach und Fassaden saniert. Aktuell sucht der neue Eigentümer, die Stiftung Meininger Baudenkmäler, nach einer denkmalverträglichen Nutzung.

Schlegelmilch-Villa Am Bahnhof 14

Präsentation: Frau Gudrun Vestner.
am_bahnhof_14_schlegelmilch_villa_smallDer Chef der Porzellanfabrik in der Lauter, Arnold Schlegelmilch, hat sich seine Villa von 1901 in der Straße Am Bahnhof 14 besonders reich dekorieren lassen. Der Suhler Bauunternehmen Ewald Hopf legte den Bau freistehend im Park an. Die Villa erhielt eine Gestaltung im Neorokokostil mit kunstvoller und vielfältiger Fassadendekoration, u.a. mit floralen Motiven am gartenseitigen Altan. 1997 wurde die Villa denkmalgerecht saniert und wird seitdem vom Johannispark Pflegedienst in Thüringen GmbH erhalten.

Rotschky-Villa Gothaer Straße 113

Präsentation: Frau Silvana Kolb und Herr Sukhbir Singh
gothaerstrae_113_rotschky_villa_smallFür die Eisenmöbelhersteller Rotschky wurde 1925 vom Suhler Bauunternehmen Ewald Weber eine passende Villa an der Gothaer Straße Nr. 113 geschaffen. Der im Garten freistehende Bau ist oberhalb der Straße angelegt. Er hat eine symmetrische Gliederung u.a. mit dem halbrunden Standerker. Zu DDR-Zeit wurde das Objekt durch Staatsorgane genutzt und als Villa „Oberland“ bekannt. Durch die heutigen Eigentümer Frau Kolb und Herrn Singh wurde das Objekt saniert und im Ergebnis 2015 mit dem Suhler Denkmalpreis gewürdigt.

Kober-Villa Dombergweg 3

Präsentation: Frau Nadja und Herr Thomas Menz
dombergweg_3_kober_villa_smallFür Fritz Kober, den Juniorchef der Thüringer Stahl- und Metallwarenfabrik Wilhelm Kober & Co., ist 1907 am Dombergweg 3 eine Villa vollendet worden. Der am steilen Domberghang stehende Bau ist mit Jugendstilelementen wie dem markanten Fachwerkgiebel, Altan mit Korbbögen und polygonalem Eckerker auf Konsolen zur Stadt ausgerichtet. Das Gebäude wurde 2003 privatisiert und anspruchsvoll saniert. Die heutigen Eigentümer erhalten es  denkmalgerecht.

Krämer-Villa Bahnhofstraße 21

Präsentation: Herr Nico Geißenhöner, Frau Gitta Wurschi
bahnhof_21_krmer_villa_smallSenator Krämer von der Firma Schilling & Krämer schuf sich 1885 in der Bahnhofstraße 21 eine standesgemäße Villa. Der im Garten freistehende Bau ist vom Suhler Zimmermann Gerbig errichtet. Er hat eine klassizisierende Gliederung mit Eckrustika, Mittelrisalit und Walmdach. Nach 1990 wurde das Objekt für Banken umgebaut. Durch den neuen Eigentümer, Herrn Nico Geißenhöner, wurde das Objekt 2017 saniert und für mehrere Wohnungen umgebaut.

Villa Lindemann, Kellerstraße 4

Präsentation: Herr Heinz-Jörg Winkler
kellerstrae_4_lindemann_villa_smallDer Zimmermann Max Lindemann hatte sich 1894 in der Kellerstraße 4 eine prächtige Villa erbaut, die 1904 vom jüdischen Bankier Karl Sander erworben wurde. 1931 übernahm sie die jüdische Familie Brylewski, die 1942 deportiert und ermordet wurde. Der zweigeschossige Bau mit großem Garten ist in Klinkerbauweise errichtet, teilweise mit Zierfachwerk und Putzflächen dekorativ und vielfältig gestaltet. 2000 wurde die Villa privatisiert, anspruchsvoll saniert und umgebaut. In dem Zuge entstanden die modernen Aufbauten an dem Gebäude, das heute Sitz mehrerer Firmen ist.  

Schuldirektoren-Villa Schleusinger Straße 5

Führungen: Herr Bernd Palme
schleusinger_strae_5_direktoren_villa_s_3_smallDer Preußische Fiskus baute 1919 für Oberrealschul-Direktor Völker in der Schleusinger Straße 5 eine gehobene Dienstvilla am alten Friedhof. Er weist die für die 1920-er typische Bauzier aus Stuck mit Füllhörnern und Blumen und kleinteilig gesprosste Fenster auf. Das Objekt wurde seit 1954 vom Rundfunk-Studio Suhl genutzt und 1996 vom MDR saniert. 2016 wurde die Villa von der PGS + P Planungsgesellschaft erworben und umgebaut.

Villen-Spaziergang

Bei einem abendlichen Spaziergang im Vorfeld des eigentlichen Denkmaltages am Freitag, dem 8. September, ab 19:00 Uhr konnten Suhler Villen als Zeugnisse der Suhler Stadtgeschichte vorgestellt werden. Es wurde gezeigt, welche Macht und Pracht es auch in Suhl gab. Architekt und Bauforscher Benjamin Rudolf und Stadtkonservator Uwe Jahn gaben dabei Einblicke in die vielfältige Gestaltung und Geschichte der Villen.