Baumkataster und kommunale Baumpflege

Mit der Einführung des Baumkatasters im Jahre 1991 machte sich eine systematische Aufnahme der im Zuständigkeitsbereich des damaligen Gartenamtes befindlichen städtischen Bäume und Gehölzflächen erforderlich. Registriert wurden alle Daten zur Charakterisierung des Baumes sowie Angaben zur Beurteilung der Vitalität und der Verkehrssicherheit, die wiederum die Grundlage für notwendige Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen bzw. Fällungen bilden. Baumpflegerische Maßnahmen wurden dabei nach ihrer Art und nach ihrer Priorität festgelegt. 

Zur Beurteilung des Zustandes des städtischen Baumbestandes muss einerseits die Vitalität betrachtet werden, die Aufschluss über die physiologische Leistungsfähigkeit eines Baumes gibt, andererseits sollte das Erscheinungsbild in die ganzheitliche Betrachtungsweise einfließen. Beide Komponenten bedingen sich und erfordern art- und gattungsspezifische Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen. 

Im Baumkataster werden gegenwärtig 7881 Bäume und Gehölzflächen des Innenbereiches der Stadt erfasst, 6224 Bäume davon sind in städtischer Verwaltung Nach den bisherigen Erfahrungen kann davon ausgegangen werden, dass schätzungsweise noch ca. 3.000 Bäume und ca. 200 Gehölzflächen einer Erfassung bedürfen. Die Aufnahme erfolgt parallel zu den Verkehrssicherheitskontrollen im Laufe der nächsten Jahre. Die Bäume im Außenbereich werden nicht erfasst.

Im Jahr 2007 mussten 86 Bäume gefällt werden, dem stehen nur 6 Neupflanzungen gegenüber. Insgesamt konnten 91 Pflegemaßnahmen, u. a. Pflegeschnitte, Totholzentnahme, Kronenpflege sowie sonstige Maßnahmen an den kartierten Bäumen ausgeführt werden.

Durch den Orkan „Kyrill" im Januar 2007 und den Nassschnee im März wurden nicht nur die Waldflächen stark in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch Bäume im Stadtgebiet. Insbesondere mussten Birken und Fichten gefällt werden, aber auch andere Baumarten waren betroffen. Diese außergewöhnlichen Ereignisse banden einen Teil der für die Baumpflege notwendigen Finanzmittel.

Die Erhaltung und Pflege des städtischen Baumbestandes erweist sich als eine der wichtigsten gestalterischen Aufgaben einer Stadt, aber auch hinsichtlich ökologischer Erfordernisse und Erwartungen. Gleichfalls haben die Bäume den Forderungen an die Verkehrssicherheit zu entsprechen, d. h. von ihnen dürfen keine Gefahren für Menschen und Sachwerte ausgehen. Mögliche Spannungsverhältnisse zwischen diesen Zielen bedürfen einer sorgsamen Abwägung, wobei übertriebenes Sicherheitsdenken vermieden werden muss.

An der durch Schneebruch stark beschädigten Weide am Herrenteich kann diese Abwägung zu Gunsten der Erhaltung des Baumes nachvollzogen werden. Durch die starke Einkürzung der Krone war es möglich, die Standsicherheit wieder herzustellen. Die Weide kann nun ihre gestalterische Funktion auch weiterhin entfalten. 

Weiden am Herrenteich - nach Schnitt
  Weiden am Herrenteich - nach Schnitt 2006

Weiden am Herrenteich – nach Schnitt (19.01.2006)

(Foto: SG Grünflächen/Friedhöfe)

 

Weiden am Herrenteich – nach Schnitt (12.05.2006)

(Foto: SG Grünflächen/Friedhöfe)

 Der bereits im Vorjahr zu beobachtende Vitalitätsverlust bei Pappeln, Ebereschen, Weiden und Kastanien setzte sich auch im Berichtszeitraum fort. Die für Neupflanzungen geänderte Baumarten- und Standortwahl auf Grund biotischer/abiotischer Anforderungen hatte sich bewährt und wurde auch weiterhin umgesetzt. 

Die weißblütigen Ross-Kastanien wurden durch die Kastanien-Miniermotte stark befallen. Insbesondere ältere Exemplare waren stark betroffen. Eine Vitalitätsverschlechterung konnte trotz mehrjährigen Befalls aber nicht festgestellt werden. Bis auf die Beräumung des Laubs im Herbst stehen derzeit keine wirksamen und preiswerten Bekämpfungsmaßnahmen zur Verfügung. Weiter Beobachtungen des Befalls und der Auswirkungen auf die Vitalität der Bäume sind in den nächsten Jahren notwendig. 

Das Ausbringen von Streusalz im Winterdienst hat nachweislich negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Straßenbäume, insbesondere kommt es zu Blattnekrosen infolge von Stoffwechselstörungen. Das Ausbringungsverbot von Streusalz auf Gehwegen gemäß der Straßenreinigungssatzung der Stadt wird größtenteils nicht beachtet. Schäden an Bäumen und Gehölzen sind damit unausweichlich. Des Weiteren setzt sich die Verbreitung des Blasenrostes an den Weymouth-Kiefern fort. Da diese Erkrankung nicht mit den verfügbaren Mitteln zu bekämpfen ist, werden die befallenen Bäume schrittweise gefällt.