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Politik macht Spaß! Drucken

obvorstadtzentrum_customLiebe Suhlerinnen und Suhler,
werte Besucher unserer Stadt,

man spricht wieder über Politik. Sah man vor kurzem noch in eher verdrossene Gesichter, sobald die Rede auf Politik kam, so ist davon derzeit kaum noch etwas zu spüren. Hier in der Region entfalten sich intensive Debatten. Denn schließlich geht es um nichts weniger als um unsere Zukunft. Die Rede ist von der Gebietsreform in Thüringen und deren besonderem Zuschnitt im Süden des Freistaats, im Südthüringer Raum, der zugleich der fränkische Teil Thüringens ist. Kaum ein Tag vergeht, an dem es nicht von irgendeiner Seite neue Vorschläge oder Dementis, Vorwürfe oder Zustimmungserklärungen gibt. Und fast wie in den USA ist man manchmal geneigt zu fragen: was ist Wahrheit und was ein bisschen davon entfernt? Und welcher Geist steigt da eben aus einer Flasche, die lieber verschlossen geblieben wäre?

Ich selbst bin zurzeit in Sachen Gebietsreform viel unterwegs. Dabei fällt mir immer wieder auf, dass es Gesprächspartnern oft schlicht an Wissen fehlt. Wie ist das mit Suhl? Und ihr habt wirklich so niedrige Schulden? Oft kann ich sogar darauf verweisen, dass diese Informationen veröffentlicht wurden. Was aber nehmen wir wahr in der Fülle der gebotenen Informationen? Lesen wir vielleicht eher das, was wir lesen wollen?

Politik ist auch die Kunst, Meinungen zum Austausch kommen zu lassen, auf einer sachlichen Diskussionsebene zu bleiben und den beim Thema Gebietsreform eigentlich immer zahlreich zuhörenden (und sich einmischenden!) Bürgern eine Meinungsbildung zu ermöglichen. Das ist schwer. Aber sollten wir es uns denn immer leicht machen, wenn es um unsere Zukunft geht? Greifen einfache Argumente nicht meistens zu kurz? Ich bin froh, dass sich Parteien zunehmend in die Debatten einbringen, dass Zeitungen auch unpopuläre Vorschläge publizieren und beleuchten. Und ich zolle denjenigen Politkern hohen Respekt, die auch nach ...zig Leserbriefen nicht zurückrudern. Denn eins ist für mich klar: Vielleicht ist es gut, wie es jetzt ist. Aber wenn es besser werden soll, wird es nicht so bleiben können, wie es ist.

Kann es dafür einen Maßstab geben? Ich denke ja. Nach einer solchen Reform muss es allen Beteiligten besser gehen als vorher. Für mich als Suhler Oberbürgermeister heißt das beispielsweise, dass ich dann besser mit den umliegenden Gemeinden zusammenarbeiten kann, dass die dann „alten" und „neuen" Bestandteile der Stadt / des Kreises beide profitieren. Das kann ganz konkret sein wie beim öffentlichen Nahverkehr, bei der touristischen Vermarktung, beim Wander- und Radwegenetz, bei der Ansiedlung von Unternehmen. Das kann auch nur gefühlt sein unter einem neuen gemeinsamen Stolz wie: wir sind Henneberg oder wir sind der Süden in Thüringen. Politik macht Spaß, wenn alle Beteiligten sich gegenseitig ernst nehmen und nie den Respekt voreinander als Partner verlieren. Wenn das zu erreichende Ziel von niemandem in Frage gestellt wird: wir wollen nach der Reform stärker sein als vorher. Was wieder einfach klingt, aber als schweres Wegstück noch vor uns liegt. Den Spaß am Gehen, die Freude am Gestalten-Können sollten wir uns dabei bewahren.

Mit den besten Grüßen

Ihr Dr. Jens Triebel

 
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