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OB-Kolumne
Mut zur Zukunft PDF Drucken
Dienstag, 23. April 2013

Liebe Suhlerinnen und Suhler,
werte Gäste unserer Stadt,
manch einer, der in diesen Tagen unsere Stadt besucht, mag sich fragen, welches Großprojekt zwischen Platz der deutschen Einheit und Bahnhofstraße entsteht. Der eine oder andere Suhler wird dazu vielleicht nur knapp Auskunft geben und sogar Kritik anbringen zur Dauer des Nachdenkens und Projektfindens der Beteiligten. Doch gut Ding will bekanntlich Weile haben - es sei denn, man beginnt nach jahrelangem Entscheidungsprozess das Ganze noch einmal und immer wieder in Frage zu stellen.
So zumindest kam es mir zur jüngsten Stadtratstagung vor. Immerhin geht es ja um die Beseitigung eines städtebaulichen Missstandes. Auf dem Areal des einstigen Hauses Philharmonie, zuvor Kulturhaus „7. Oktober", soll das Haus der Wirtschaft entstehen, gebaut von der IHK Südthüringen. Das verbleibende, jetzt noch zu sehende Portalgebäude, soll das moderne und nach etlichen Umzügen nun endlich dauerhafte Domizil für das Suhler Stadtarchiv und das Magazin des Waffenmuseums werden. Zur Stadtratstagung entwickelte sich die Entscheidung zur Planungs-Auftragsvergabe dafür allerdings zu einer neuen Grundsatzdebatte. Argumente wie „Lagerhalle" waren da auf einmal zu vernehmen. Vielleicht habe ich ja etwas falsch verstanden, denn ich dachte bisher, es gehe um ein Gebäude, in dem die Schätze der Stadt endlich einmal angemessen zur Geltung kommen können - einschließlich entsprechender Ausstellungsflächen und Benutzerräume, um möglichst vielen Interessenten Dokumente und Archivalien aus mehreren Jahrhunderten nahe bringen zu können. Im Herzen der Stadt das Wissen der Stadt zu präsentieren, gemeinsam mit Stadtbücherei und Waffen- sowie Fahrzeugmuseum - nach Jahren gemeinsamen Strebens dahin sollte das plötzlich keine Zielvorstellung mehr sein?
In zahlreichen Gesprächen mit der Landesregierung und dem Landesverwaltungsamt wurden die komplizierten Schritte für diesen Umbau immer wieder debattiert und nach neuen Entscheidungen der anderen Beteiligten auch neu abgestimmt. Freistaat und obere Verwaltungsbehörde wissen, wie wichtig dieses Projekt für die Stadt Suhl ist. Immerhin kamen die Hinweise zu einem möglichen Um- und Neubau ursprünglich sogar vom Land. Nun haben wir uns auf den Weg gemacht. Und nun soll alles gar nicht so gemeint gewesen sein?
Ich bin sehr froh, dass zur Stadtratstagung letztlich doch eine knappe Mehrheit für die Vergabe des Planungsauftrags votierte. Einen Zug, für den schon vor Jahren die Weichen gestellt wurden, auf freier Strecke zu stoppen, birgt immer das Risiko in sich, dass er nur sehr schwer wieder in Fahrt kommt. Das hat die Mehrheit der Stadträte bei ihrer Entscheidung berücksichtigt. Der Platz der deutschen Einheit mit den umgebenden Gebäuden ist ein architektonischer Spiegel des 20. Jahrhunderts. In einem der Gebäude mit Archiv und Magazin Waffenmuseum nun auch das Gedächtnis der Stadt unterzubringen, steht unserer Stadt, die schon manchmal etwas lieblos mit ihrer Geschichte umging, gut zu Gesicht. Ich stehe dazu, dabei über den Horizont von Wahlperioden hinaus zu blicken. Geschichte beschränkt sich nun mal nicht auf Wahlperioden. Das sah die Mehrzahl der Suhler Stadträte am 17. April offensichtlich ebenso.
Mit dem städtischen Teil des „Großprojekts" zwischen Platz der deutschen Einheit und Bahnhofstraße ist jetzt ein Thüringer Planungsbüro befasst. Erste Ideenskizzen werden bald zu Papier gebracht sein. Zukunft gewinnt man nicht mit Vertagen. Zukunft beginnt immer am heutigen Tag.
Mit den besten Grüßen

Ihr Dr. Jens Triebel

 
Mit intelligenten Lösungen zu mehr Gerechtigkeit PDF Drucken
Donnerstag, 14. März 2013

Liebe Suhlerinnen und Suhler,
werte Gäste unserer Stadt,
Gerechtigkeit ist ein Ziel, das in der Politik schwer zu erreichen ist. Meist geht es um ganz konkrete Dinge, mit denen wir uns zu befassen haben und von denen man meint, dass sie weit entfernt vom hehren Ziel höherer Gerechtigkeit sind. Im nun hoffentlich bald zu Ende gehenden Winter ging es beispielsweise (wie immer!) um das Schneeräumen und die Ungerechtigkeiten dabei. Im jüngsten Stadtrat haben wir gerade eine neue Reinigungssatzung verabschiedet, bei dem der Bemessungsmaßstab für die Berechnung der Reinigungsgebühr verändert wurde. Waren es bisher Straßenfrontmeter, die herangezogen wurden für die Gebührenberechnung, so liegt jetzt die gesamte Fläche des anliegenden Grundstücks zugrunde. Mehr Gerechtigkeit?
Ich meine, mit intelligenten Lösungen gerade bei solch „profanen" Dingen wie der Straßenreinigungssatzung oder der Einführung der Räum- und Streupflicht im Winter auch für den gegenüber liegenden Grundstücksbesitzer (bei einseitigem Gehweg) lassen sich tatsächlich gerechtere Lösungen erreichen. An Veränderungen muss sich der Mensch immer erst gewöhnen. Zunächst wehrt man ja selbst eher ab: es ging doch so viele Jahre gut. Ging es aber wirklich für alle gut? Oder nur für diejenigen, die davon profitierten? Intelligente Lösungen sind aufwändig und bedürfen auch im Stadtrat mancher Diskussion, bis sie mehrheitsfähig werden. Aber wenn wir die Möglichkeit haben, mehr Gerechtigkeit zu erreichen, dann sollten wir das auch tun. Anfang März verabschiedete der Suhler Stadtrat nun die neue Straßenreinigungssatzung, der eben die Bemessung der gesamten anliegenden Fläche zugrunde lieg („Quadratwurzelmaßstab"). Die Stadt Suhl ist damit Vorreiter im Freistaat Thüringen. (In anderen Bundesländern wird das längst praktiziert.) Und auch beim Einbezug der gegenüber liegenden Grundstücke in die Fußwegreinigung im Winter hat sich die Aufregung inzwischen etwas gelegt, nach dem jeder weiß, was auf ihn zukommt; über Härtefälle wird man noch diskutieren müssen. Eine effiziente Verwaltung - und ich bin stolz, dass wir auf einem guten Wege dahin sind - muss nach intelligenten Lösungen suchen, um zu gerechteren Bemessungsgrundlagen zu kommen. Wir hatten diese Chance, und wir haben sie bei uns in Suhl genutzt und auch die öffentlichen Debatten dazu durchgestanden. Denn die große Gerechtigkeit beginnt nun mal im Kleinen, beim Einzelnen, in unserem Falle z.B. beim Verändern des Bemessungsmaßstabes für die Straßenreinigungsgebühr. Zu viel Aufwand für wenig Effekt? Ich meine, wenn wir wirklich gerechtere Lösungen erreichen können für die Bürger, können wir auch Vertrauen in Politik zurückgewinnen. Das macht sich dann auch anderenorts und bei der nächsten Problemlösung wieder bezahlt. Ein Wortungetüm wie „Quadratwurzelmaßstab" hin oder her - für mehr Gerechtigkeit sollten wir diesen Aufwand nicht scheuen. Es lohnt für uns alle.
Mit den besten Grüßen 
Ihr
Dr. Jens Triebel

 
Wohlfühlen in Suhl PDF Drucken
Freitag, 25. Januar 2013

Liebe Suhlerinnen und Suhler,
werte Gäste unserer Stadt,
zu meinem diesjährigen Neujahrsempfang für Unternehmerinnen und Unternehmer der Stadt hatte ich Maßstäbe für das Wohlbefinden in den Mittelpunkt meiner Rede gestellt. Dabei kam mir der Glücksatlas der Deutschen Post zu Hilfe, in den umfangreiche Untersuchungen und Befragungen zum individuellen Glücksempfinden eingeflossen sind.
Um es vorweg zu nehmen: die sogenannten weichen Faktoren spielen eine weit größere Rolle, als man gemeinhin annimmt. Neben der persönlichen Gesundheit macht der Umgang miteinander ein Großteil des persönlichen Wohlbefindens aus. Soziale Kontakte verbessern das Glück der Menschen in signifikanter Weise, ebenso das Betriebsklima im Unternehmen oder die Möglichkeit für den Einzelnen, seine Ideen einzubringen. Ausgehend von einem halbwegs sicheren Lebensstandard, den wir hier in Deutschland wie in den meisten Ländern der westlichen Welt voraussetzen können, tragen damit immer stärker auch immaterielle Werte zum Glück der Menschen bei.
Ich meine, das birgt einen Auftrag für die Politik. Wer im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht, hat damit auch eine Chance, verstärkt auf eine solche Wertevermittlung zu achten. Blicke ich noch ein paar Jahre voraus, werden wir hier in Thüringen und natürlich auch in Suhl einen Stand an Fachkräften erreichen, bei dem sich die Menschen ihren Arbeitsplatz aussuchen können. Dann werden sie bei vergleichbarer Entlohnung denjenigen Arbeitsplatz wählen, der ihnen die besten Möglichkeiten zum Wohlbefinden im Beruf bietet. Gefragt sind Offenheit und gute soziale Bedingungen, seitens der Gemeinden Angebote für Kinderbetreuung, Bildungsmöglichkeiten, Infrastruktur insgesamt. Wir haben in dieser Hinsicht gute Voraussetzungen in Suhl. Und wir haben damit auch in unserer Stadt einen Prozess angestoßen, der in die Zukunft weist. Wohlbefinden in Suhl ist ein Zukunftsindikator.
Auf der Homepage der Stadt Suhl finden Sie gleich nebenstehend den Aufruf zu unserem diesjährigen Fotowettbewerb. Er weist in dieselbe Richtung: Ansichtssache Suhl. Gefragt sind diesmal überraschende Einblicke, die von Identifikation, aber auch von Auseinandersetzung mit dieser Stadt und ihrer Geschichte, ihrer Gegenwart und Zukunft zeugen. In den Sommermonaten sollen die Ergebnisse wie schon in den Jahren zuvor im Stadtzentrum für jedermann zu sehen sein. Ich denke, auch das ist eine Aktion, um das Wohlfühlen in Suhl darzustellen - und vielleicht sogar auch mit Ihrer Unterstützung ein Stück voran zu bringen. 
Ihr
Dr. Jens Triebel

 
Gemeinsam für unsere Stadt PDF Drucken
Donnerstag, 20. Dezember 2012

Liebe Bürgerinnen und Bürger,
der Advent eignet sich bestens, die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen und sich in besinnlicher Weise auf das Weihnachtsfest einzustimmen. In unserem Stadtzentrum lädt der Chrisamelmart zum Verweilen und zu einem Treff mit Freunden und Bekannten ein. Für alle Jungen und jung Gebliebenen öffnet sich in diesem Advent an jedem Tag ein Kalendertürchen am Rathaus und offenbart eine Überraschung. Für diese Idee und deren Umsetzung erhielt ich viel Zuspruch. Auch Traditionen kann man auf diese Weise mit Neuem bereichern. Ich freue mich, wenn diese dann auch angenommen werden. In der kalten Jahreszeit strahlt unser Jubiläums-Chrisamelmart Wärme und Licht aus. So sehe ich auch das Wirken in unserer Stadt: gemeinsam für die Gemeinschaft tätig sein. Unser Chrisamelmart ist ein Beispiel dafür.
Wenn sich das Jahr seinem Ende zuneigt, lässt man gern auch noch einmal wichtige Ereignisse des Jahres Revue passieren. Was fällt einem spontan ein, denkt man an 2012? Für mich war natürlich die Wahl ein wichtiges Ereignis. Sie gaben mir Ihr Vertrauen, um für weitere sechs Jahre für Sie und für die Stadt arbeiten zu können. Dass diese Aufgabe nicht leichter geworden ist, wissen die meisten von Ihnen. Das hängt ursächlich mit unseren Ansprüchen und unseren Möglichkeiten zusammen. Auch in diesem Jahr gelang es uns beispielsweise nicht, einen Ausgleich zwischen städtischen Einnahmen und Ausgaben zu erreichen. Dennoch konnten wir einiges für die Stadt und in der Stadt bewirken. Vollendete oder teilweise abgeschlossene Baumaßnahmen können von jedem in Augenschein genommen werden. Ein erstes Teilstück des Steinbachs in Neundorf wurde saniert. Der Schwarzwasserweg kam in die Kur. An beiden Baustellen wird es 2013 weitergehen. Unser neues Gewerbegebiet am Sehmar nahm Konturen an. Für erste Grundstücke laufen die Verkaufsverhandlungen. Beim Haus der Wirtschaft wurde noch einmal umgeplant, weshalb sich der Baubeginn dort verzögerte. Im neuen Jahr werden wir dort größere Fortschritte erleben. Für Anderes wurden Weichen gestellt, ich nenne da als Stichwort Aue III oder auch das neue kleine Wohnbaugebiet Blücherstraße. Eine Stadt lebt auch von Veränderung. Das ist in Suhl in vielen Bereichen zu spüren.
Gern erinnere ich mich auch an Höhepunkte im städtischen Leben, seien es nun herausragende Konzerte, sehr gut angenommene Initiativen des Stadtmarketingvereins, unsere Kinderkulturnacht, Themenmärkte, das 50-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Bègles, die erste Suhler Lesenacht, den zweiten Energietag, den jährlichen Denkmaltag oder die Ereignisse rund um „Sushi in Suhl". Die Liste ließe sich fortsetzen. Sie zeigt, wie sehr sich engagierte Bürgerinnen und Bürger, Unternehmer, Händler und Vereine immer wieder für ihre Stadt einsetzen. Dafür danke ich Ihnen allen. Hier wollen wir anknüpfen und auch 2013 ein mit Veranstaltungen und Ereignissen reich untersetztes Jahr gestalten. Der Möglichkeiten, sich selbst dabei einzubringen, gibt es viele. Dazu lade ich Sie schon jetzt herzlich ein.
Für das bevor stehende Weihnachtsfest und das neue Jahr wünsche ich Ihnen alles Gute, viel Wärme und Zusammenhalt in den Familien, Gesundheit, gute Ideen für den eigenen Lebensentwurf und Kraft zu deren Umsetzung.
Mit den besten Grüßen

Dr. Jens Triebel

 
Türen öffnen im Advent PDF Drucken
Mittwoch, 28. November 2012

Liebe Suhlerinnen und Suhler,
werte Gäste unserer Stadt,
zum 20. Mal veranstaltet die Stadt Suhl in diesem Jahr wieder einen eigenen Weihnachtsmarkt. Wir nennen ihn „Chrisamelmart" nach dem Christstollen, der - ins Hochdeutsche übertragen - hier „Christsemmel" heißt und dessen Rezept durch die hiesigen Bäcker streng gehütet wird. Am besten, Sie erkunden bei einem Besuch auf unserem Chrisamelmart am Suhler Bäckerstand selbst, welche Rezeptur Ihnen besonders mundet. Zum Jubiläum haben wir uns darüber hinaus etwas ganz Besonderes einfallen lassen: das Rathaus selbst wird zum Adventskalender. Jeden Tag um 17:30 Uhr wird ein „Türchen" geöffnet und für die kleinen und großen Zuschauer eine Überraschung geboten. Der Weihnachtsmann mit seinen Helfern hatte alle Hände voll zu tun, sie zu kreieren. Und ich bin den Bauherren bis heute dankbar, dass sie schon vor mehr als hundert Jahren daran dachten, dass die Rathausfenster einmal Adventskalendertürchen werden könnten, denn sie bauten (mit Eingangstür) genau 24 ein...
Ereignisse wie der Weihnachtsmarkt machen ein Gutteil des Flairs einer Stadt aus. Wir hier in Suhl wollen weder den größten noch den lautesten des Landes haben. Uns genügt es, den Einwohnern und den sicher wieder nach Zehntausenden zählenden Gästen einen der romantischsten Weihnachtsmärkte Thüringens bieten zu können mit einem wirklich weihnachtlichen Angebot. Dazu kommen Schauhütten, Bastelhaus und Weihnachtsmannbüro für die Jüngsten, Anschützbänkle und Glühweinstände zum Verweilen für die Großen und eine eigene Bühne für die vielfältigen Kulturangebote. Märchen- und Sagenfiguren schmücken die Plätze, hunderte Weihnachtsbäume und festliche Beleuchtung tragen ein Übriges zur Gemütlichkeit bei. Von den diesjährigen Mühen, um die 23 Meter hohe Fichte auf den Marktplatz zu bekommen, können Sie im Beitrag nebenan noch einen Eindruck gewinnen. Es bedarf eines großen Vorbereitungsaufwands, um solch einen Markt über mehrere Wochen hinweg zu organisieren und am Laufen zu halten. Allen Beteiligten und Unterstützern danke ich an dieser Stelle für ihr Engagement.
Dass Suhl auch in der kalten Jahreszeit anheimelnd ist, daran hat unser Chrisamelmart einen großen Anteil. Das ist es auch, was wir unter gemeinsam gestaltetem städtischem Leben verstehen. Ich lade Sie ein, sich von dieser besonderen Atmosphäre im Advent hier in Suhl selbst zu überzeugen. Mehrfach schon habe ich in dieser Kolumne darauf verwiesen, wie gut es sich bei uns leben lässt und wie sehr die Arbeit eines jeden Einzelnen zum Gesamtbild der Stadt beiträgt. Im Advent ist das in besonderer Weise zu spüren. Spüren Sie dem einfach mal nach. Stimmen Sie sich auch mit Unterstützung unseres Chrisamelmarts auf das bevor stehende Weihnachtsfest ein, gehen Sie die Tage mit ein bisschen mehr Gelassenheit an und der Erinnerung an die Neugier und Offenheit der eigenen Kinderzeit. Das wünscht 
Ihr
Dr. Jens Triebel

 

 
Film wirbt für Suhl PDF Drucken
Donnerstag, 25. Oktober 2012

Liebe Suhlerinnen und Suhler,
werte Gäste unserer Stadt,
die Stadt Suhl ist gerade in aller Munde - zumindest derer, die in diesen Tagen und Wochen ins Kino gehen, um den Film „Sushi in Suhl" sehen. Regionale und überregionale Medien widmen sich diesem Film und mittelbar auch unserer Stadt. Im „Spiegel" war Ende Oktober zu lesen: „Die Stadt Suhl erlangt mit einem Kinofilm historische Größe." Nun mag feuilletonistische Übertreibung da mit hinein spielen. Interessant aber ist schon, wie sich plötzlich der Fokus der Wahrnehmung verändert: was, das ist wirklich bei euch passiert? Was ist das für eine Stadt, in der das möglich war?
Wir haben gut daran getan, städtischerseits die (offizielle) Weltpremiere des Films am 14. Oktober in Suhl mit verschiedenen Aktionen zu begleiten. So konnte schon am 11. September eine Ausstellung im Foyer des Cineplex-Kinos eröffnet werden, die während des gesamten Aufführungszeitraums des Films in Suhl zu sehen ist. Des Weiteren wurde eigens ein Heft der „Kleinen Suhler Reihe" erarbeitet, das reißenden Absatz findet und das die tatsächlichen Geschehnisse um Rolf Anschütz und „sein" Japanrestaurant in Suhl neben die Filmgeschichte stellt. Am Haus Gothaer Straße 8 erinnert seit dem Premierentag ein blaues Denkmalschild an den Ort des gastronomischen Geschehens von damals und an Rolf Anschütz. Das Congress Centrum Suhl bot (und bietet) thematische Stadtrundgänge zum einstigen japanischen Gastmahl in Suhl an. Im CCS selbst konnte nach der Premiere eine rauschende Party mit glänzend aufgelegten Schauspielern gefeiert werden, eingebettet in den diesjährigen „Provinzschrei". Und dank vor allem der Produzenten Carl Schmidt und Margot Bolender und vieler Medienpartner und Sponsoren, die die Produktion dieses Films erst möglich machten, sowie der Filmsprache von Regisseur Carsten Fiebeler zieht durch ganz Deutschland ein Hauch von Sushi-Fieber, eingebettet in die (reale oder fiktive) Landschaft und Atmosphäre des thüringischen Suhl...
Für mich ist das ein glücklicher Fall von Werbung für unsere Stadt. Wir sind in aller Munde. Mit mir hoffen viele Einheimische, dass vom Glanz des Filmes auch etwas zurückfallt auf unsere Stadt, dass sich ein paar mehr Touristen auf den Weg hierher machen, um am Originalschauplatz zu erkunden, wie es damals war - und wie es heute ist. Die Gemeinsamkeit, die  bei den wochenlangen Vorbereitungsarbeiten auf die Filmpremiere zu spüren war, zahlt sich nun aus. Der Film selbst und unsere Aktivitäten kommen gut an. Die Menschen hier gehen ein bisschen stolzer durch ihre Stadt und begegnen dem Fremden (wie am Tag der Filmpremiere) offener: ja, das waren wir, ja, das haben wir damals geschafft, ja, auch das ist Suhl. Lassen auch Sie sich ein bisschen anstecken von diesem Sushi-Fieber, das noch im grauen November den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.

Ihr
Dr. Jens Triebel

 
Deutsche Einheit als Chance PDF Drucken
Donnerstag, 4. Oktober 2012

Liebe Suhlerinnen und Suhler,
werte Gäste unserer Stadt,
22 Jahre deutsche Einheit waren in diesem Jahr für viele von uns willkommener Anlass, die freien Stunden bei herrlichem Wetter in der Natur zu verbringen, den Frühherbst zu genießen - und sich kaum Gedanken um den Anlass dieses Tages zu machen. Damals war ´s. Und gut. Das Fernsehen immerhin erinnerte sich seiner mitunter arg vernachlässigten Bildungspflicht und setzte Uwe Tellkamps „Turm" opulent in Szene. Und sonst?
All zu leicht wird vergessen, was wir mit diesem Schritt in die deutsche Einheit gewonnen haben. Der Tag der Wiedervereinigung der beiden nach dem 2. Weltkrieg entstandenen deutschen Staaten war ein formaler Schlusspunkt unter die Friedliche Revolution. Ein Jahr zuvor hatten die Menschen hierzulande noch die Feiern zum 40. Jahrestag der DDR über sich ergehen lassen, die von vielen bereits als Tanz auf der Titanic empfunden wurden. Jeder sah, was los was, außer den Regierenden. Oder schien uns das nur so? Die Dynamik, die sich dann entwickelte, wird allen, die dabei sein konnten, unvergesslich bleiben, wie für viele auch jene Momente, als man die in 40 Jahren immer undurchlässiger gewordene Grenze in den anderen deutschen Staat erstmals überschreiten durfte. Als man plötzlich Bücher mitbringen durfte und Musik seiner Wahl, als man selbst in Augenschein nehmen konnte, wie golden der Westen wirklich war. Und wie es war, sich einer eigenen Meinung bewusst zu werden und sie sagen zu können, ohne Angst, am Ausgang der Kirche mitgenommen oder beim Verlassen des Platzes gebeten zu werden, in ein wartendes Auto zu steigen.
Wir wussten vor 22 Jahren nicht, was noch alles vor uns lag. Wie steinig der Weg werden würde. Wie viel Spott Helmut Kohl würde einstecken müssen für seine versprochenen „blühenden Landschaften". Und welche Fehler wir selbst oder selbst ernannte Helfer anrichten würden. Und? Ich brauche hier nicht darauf zu verweisen, dass es kein geschichtliches Vorbild für jenen Wandlungsprozess gab, den wir durchlebten. Es genügt, an die Wasserqualität der Hasel unterhalb des Simsonwerkes vor 1990 zu erinnern, an den Geruch der Luft durch die mit Rohbraunkohle befeuerten Heizwerke in der Struth oder den Nebel winters über den Schornsteinen der Altstadt. Ja, wir streiten heute in der Politik oft über den besten Weg zu einem Ziel. Davon wissen Sie, weil die Medien heute darüber berichten. Erinnern Sie sich noch, wie wir die Zeitungen vorher lasen? Meist von hinten, weil vorn eh nur Kommuniques oder Verlautbarungen abgedruckt waren... Den Streit um den besten Weg empfinde ich auch als einen Wettstreit. Dass wir damit länger brauchen als mit einem diktatorischen Entscheid, liegt in der Natur der Demokratie. Langfristig, da bin ich mir sicher, werden wir damit aber die besseren Ergebnisse erzielen. Solche, die auch eine Mehrheit wirklich will. 
Schöne Herbststunden wird es auch in diesem Jahr noch viele geben. Vielleicht denken Sie bei der Wanderung oder beim Spaziergang, bei der Arbeit im Garten oder beim Sport in der Natur einfach mal daran, was wir an Welt gewonnen haben, außen wie innen, in diesen 22 Jahren nach dem 3.10.1990. Freiheit ist eine Lebensauffassung. Größere Chancen, sie auch zu leben, hatten wir bisher in der Suhler Geschichte nicht.

Ihr
Dr. Jens Triebel

 
Zukunft Schritt um Schritt PDF Drucken
Donnerstag, 6. September 2012

Liebe Suhlerinnen und Suhler,
werte Gäste unserer Stadt,
Zukunft zu gewinnen ist eine Aufgabe, der sich jede Stadt stellen muss. Als Oberbürgermeister nehme ich diese Aufgabe als Prüfstein für viele Aktivitäten. Dient dieses oder jenes Ereignis dem Suhl von morgen? Bringen wir unsere Stadt damit voran?
Zwei Ereignisse der jüngsten Zeit will ich da beispielhaft anführen. Am 4. September konnten wir in Suhl eine Höhere Berufsfachschule mit dem Bildungsgang Gesundheits- und Krankenpflege eröffnen. Das SRH Zentralklinikum war uns dabei kompetenter Partner, das Projekt wurde vom Thüringer Sozial- und vom Bildungsministerium unterstützt. Auch wenn es vorerst nur 20 junge Menschen sind, die hier eine profunde Ausbildung erhalten, so ist dies doch eine Weichenstellung: wir stellen uns den Anforderungen von morgen, den Folgen, die das von allen erwünschte Älterwerden mit sich bringt.
Das zweite Ereignis liegt kaum eine Woche zurück. Ein Suhler Unternehmer gab den Startschuss für ein hochwertiges Wohnprojekt im Stadtzentrum. Auf eigenes Risiko entstehen dort moderne und attraktive Stadtvillen. Der Unternehmer zeigt damit Mut und zugleich Zuversicht, dass innerstädtisches Wohnen wieder im Trend liegt, dass die Vorteile einer größeren Stadt wie der unseren auf Dauer den Ausschlag geben werden für den Zuzug von Menschen auch aus anderen Regionen.
Zukunft entsteht Schritt um Schritt. Nicht die Pläne allein sind es, die sie uns gewinnen lassen, nicht die Forderungen, die von vielen gestellt werden, ohne wirklich darüber nachzudenken, ob und wie sie finanzierbar sind. Es sind die Schritte in der Praxis, die wie in den genannten beiden Beispielen auch einer gewissenhaften Vorbereitung bedürfen, eines langen Atems, um die richtigen Partner ins Boot zu bekommen und das Boot auch wirklich vom Ufer abstoßen zu können, um im Bild zu bleiben. Aber nur wer sich auf den Weg macht, kommt auch ans Ziel. Ich bin froh, dass es dafür in unserer Stadt Partner gibt. Lassen Sie uns gemeinsam auch künftig kleine und große Schritte an der Messlatte „Zukunft" messen.

Ihr
Dr. Jens Triebel

 
Welt schnuppern und Anregungen holen PDF Drucken
Montag, 16. Juli 2012

Liebe Suhlerinnen und Suhler, werte Gäste unserer Stadt,
die Ferienzeit steht ins Haus. Nicht nur Schülerinnen und Schüler fiebern ihr seit langem entgegen. Auch Mütter und Väter, Angestellte und Unternehmer sehnen sich nach ein paar freien Tagen, nach Zeit zum Tief-Durchatmen und Kraft schöpfen. Doch in den Schulen steht davor noch die Zeugnis-Übergabe. Was bin ich in den Augen der anderen wert? Welche Bilanz ziehen andere über mich?
In diesen Tagen bin ich als Oberbürgermeister zuweilen zu solch einer Veranstaltung eingeladen. Da gilt es beispielsweise bei der Übergabe von Abiturzeugnissen Ereignisse aus 12 Jahren Schule noch einmal Revue passieren zu lassen und zugleich den jungen Menschen Zuversicht mit auf den Weg zu geben. Vielfach stehen vor ihnen ja existentielle Fragen: Werde ich überhaupt gebraucht in dieser Gesellschaft? Wie soll ich es schaffen, möglichst mit 20 Jahren schon gut ausgebildet zu sein und am besten über zehn Jahre Berufserfahrung zu verfügen? Schließlich müssen die jungen Leute manchmal glauben, das werde von ihnen verlangt, wenn sie Stellenausschreibungen lesen. Und vor Ort in den Unternehmen erwarten sie dann schlecht - wenn überhaupt - bezahlte Praktika, bei denen sie die Leistungen von Fachkräften bringen sollen. Was sollte ich als Oberbürgermeister den Abiturienten - die stellvertretend für alle Schulabgänger und alle Zeugnisempfänger stehen können - da raten?
Dass das Lernen nie aufhört, will man als Schüler nicht hören. Schließlich sind jetzt endlich Ferien und jetzt beginnt der beste Teil von der Schulzeit! Ich rate denjenigen, die jetzt ihre Abschlusszeugnisse in die Hände bekommen, durchaus mal hinauszugehen in die Welt. Sie steht ihnen tatsächlich - anders als vielen von uns noch vor reichlich 20 Jahren - offen. Geht hinaus in die Welt!, rufe ich ihnen zu. Aber schaut euch dort aufmerksam um und fragt auch mal die Menschen dort, wie es ihnen abseits vom Strand und abseits der Promenaden geht. Kommt dann wieder her und vergleicht. Denn wir brauchen euch hier, wir brauchen die Lebensfreude und Ideen, den Mut und die Beharrlichkeit der jungen Menschen hier bei uns, in unserem Land und in unserer Stadt.
Daher möchte ich den Abiturientinnen und Abiturienten, den Schulabgängern, aber auch den Urlaub- und Ruhesuchenden mit auf den Weg geben, dass sie nicht nur diesem Urlaub, sondern auch dem vor ihnen liegenden Leben mit all seinen Aufgaben entgegen fiebern sollten. Aufmerksamkeit hilft, Chancen zu erkennen. Ganz ohne Mühen wird das nicht abgehen. Zu lernen bleibt auch außerhalb von Schule und Unternehmen. Vielleicht sind dort sogar die wertvolleren Erkenntnisse zu gewinnen - ohne Notenzwang und Zeugnis.
Einen schönen Urlaub für alle, die sich auf ihren Weg gemacht haben, ob flach oder steil, weit oder nur bis um die Ecke. Wichtig ist, dass es der eigene Weg wird.

Ihr
Dr. Jens Triebel

 
Energiewende - vor Ort PDF Drucken
Mittwoch, 20. Juni 2012

Liebe Suhlerinnen und Suhler,
werte Gäste unserer Stadt,

nun also doch: durch den Thüringer Wald sollen weitere Schneisen geschlagen werden. Grund dafür soll die Energiewende sein. Aber stopp: sollte nicht gerade die Abkehr vom Atomstrom unser Land sicherer und schöner machen? Wer aber empfindet neue Stromtrassen durchs Gebirge noch als schön?
Als Kommunalpolitiker bin ich manchmal erstaunt, welch chaotisches Bild mir über das Hin und Her in Sachen Energiepolitik aus Berlin vermittelt wird. Gut, das kann an der Medienberichterstattung liegen. Doch wenn sich nicht wenigstens Anzeichen von Chaos zeigen, können die Medien auch nicht darüber berichten. Oder gibt es etwa hinter dem großspurigen Begriff für eine politische Weichenstellung gar keinen bis ins Letzte durchdachten Plan? Könnte es sein, dass ein Stimmungsbild der Bevölkerung Auslöser für einen Versuch war, von dem bisher niemand weiß, wie er ausgeht?
Ein hochindustrialisiertes Land wie das unsere braucht Energie wie jeder Mensch sein täglich Brot. Stromausfälle wären eine Katastrophe für die inzwischen hoch spezialisierten und dank Computersteuerungen auch hochsensiblen Industrieanlagen von heute, für Just-in-time-Prozesse, für unseren vernetzten Alltag. Manchmal hat es den Anschein, als würden an verantwortungsvoller Stelle Schüler ein Experiment durchführen: stell dir vor, über der Nordsee ist immer frischer Wind, versuche, den so zu nutzen, dass auch der Süden davon etwas hat. Schüler an die Macht?
Eine wirkliche Energiewende beginnt beim Einsparen von Energie. Jeder von uns kann dazu seinen Teil beitragen. Der reicht von einer zielgerichteten Beleuchtung am Arbeitsplatz oder zu Hause, setzt sich über den Einsatz energieeffizienter und Ressourcen schonender Geräte fort und schließt ein, auch mal ein paar Schritte zu laufen und nicht für den Weg ums Quartier schon das Auto zu nehmen.
Für das gesamte Land wäre ein wirkliches Umdenken in punkto Energiepolitik erreicht, wenn wir wegkämen von der Energieerzeugung an zentralen Orten oder eben in Offshore-Parks, von denen der Strom dann durch das ganze Land transportiert werden muss – mit riesigen Verlusten und unvermeidbaren Eingriffen in die Natur. Wirkliches Umdenken würde bedeuten, Strom dort zu erzeugen, wo er benötigt wird. Dann bräuchten wir keine aufwändigen und teuren Stromtrassen quer durchs Land und durch den Thüringer Wald. So, wie es schließlich auch geschafft wird, das Internet über ein Netz dezentraler Computer weltweit am Laufen zu halten, so könnte auch die Energieerzeugung von morgen aussehen: intelligent und dezentral. Und gleichsam nebenbei kämen wir damit auch weg von einer Monopolisierung des Energie- und Strommarktes sowie der Stromnetze – die letztlich immer zu Lasten der Bürger geht - und hin zu einer Stärkung zum Beispiel von Stadtwerken. Kommunalpolitik und Bürgerwille wären wieder im Spiel.
Nichts als ein schöner Traum? Um Neues zu erreichen, gibt es immer mehrere Möglichkeiten, so wie es mehrere Möglichkeiten gibt, auf Proteste einzugehen wie die jetzt aufflammenden gegen neue Stromtrassen durch den Thüringer Wald. Die Sorge der Menschen ist berechtigt. Stromhunger lässt sich auch anders stillen als durch Lösungen zentralistischer Art. Diese nämlich sind Lösungen von gestern. Aufgabe von Politikern sollte es aber sein, neue Ideen zu unterstützen und deren Verwirklichung zu fördern, denn sie könnten die Lösungen von morgen sein. Damit können wir hier in den Städten und Gemeinden beginnen. Dem sollte aber auch auf den Regierungsbänken in Berlin Raum gegeben werden, um den Anschein von Chaos als Regierungsweise zu vermeiden – und nebenbei noch Naturressourcen wie die unseren zu schonen. 

Ihr
Dr. Jens Triebel 

 

 
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